Lungen-Karzinom

Wenn Ihre Lunge biopsiert wurde, werden die Proben anschließend von einem Facharzt mit langjähriger Erfahrung – dem Pathologen - mikroskopisch untersucht. Ihr behandelnder Arzt verwendet den pathologischen Bericht um die Entscheidung über die weiteren therapeutischen Maßnahmen zu fällen. Diese Fragenübersicht wurde entwickelt um es leichter zu machen Ihren pathologischen Bericht zu verstehen.

1. Was ist ein „Karzinom“?

Lungenkarzinom bedeutet Lungenkrebs. Es ist ein bösartiger (maligner) Tumor, der allerdings bei frühzeitiger Diagnose erfolgreich behandelt werden kann.

2. Was bedeutet „ infiltrativ“ oder „invasiv“?

Die Bedeutung beider Worte ist identisch. Die normale Lunge besteht aus luftleitenden Abschnitten (Bronchien) und einer Ansammlung von blind-endenden Aussackungen (Azinus, Azini), in denen das Blut mit Sauerstoff angereichert wird. Karzinome entstehen aus den Zellen der Bronchien oder der Azini. Wenn das Karzinom nur auf diese Strukturen begrenzt ist, wird es In-situ-Karzinom genannt. Bricht das In-situ-Karzinom in seinem Wachstum aus diesen Strukturen aus, wird es zum invasiven oder infiltrativen Karzinom, was bedeutet, dass die Zellen nun die Möglichkeit haben in andere Körperteile zu streuen (Metastasierung).

3. Was bedeutet es, wenn mein Karzinom, als „Plattenepithelkarzinom“ bezeichnet wird?

In Abhängigkeit davon ob Karzinome von den Bronchien oder den Azini abstammen, haben sie unterschiedliche Erscheinungsbilder unter dem Mikroskop. Plattenepithelkarzinome gehen meist aus den Bronchien hervor, es ist eine der häufigen Lungenkrebsformen in den westlichen Ländern.

4. Was bedeutet es, wenn mein Karzinom als „Adenokarzinom“ bezeichnet wird?

In Abhängigkeit davon ob Karzinome von den Bronchien oder den Azini abstammen, haben sie unterschiedliche Erscheinungsbilder unter dem Mikroskop. Adenokarzinome gehen meist aus den Azini hervor. Adenokarzinome zählen zu den häufigen Lungenkrebsformen in den westlichen Ländern und sind auf dem Weg, die häufigste Lungenkrebsform zu werden.

5. Was bedeutet es, wenn eine der folgenden Bezeichnungen zur Beschreibung meines Adenokarzinoms verwendet wird: „papillär“, „bronchioloalveolär“, „muzinös“, „mikropapillär“ oder „solide“?

Diese Bezeichnungen beschreiben die mikroskopisch sichtbaren Wachstumsmuster der Adenokarzinome. Dabei kann das Karzinom aus nur einem Erscheinungstyp bestehen oder eine Mischung aus mehreren Formen aufweisen. Einige Wachstumsmuster (z.B. bronchioloalveolär) haben eine bessere Prognose als andere (z.B. mikropapillär). Wenn Karzinome verschiedene Wachstumsmuster aufwiesen, kann eine eindeutige Diagnose anhand einer Biopsie nicht gestellt werden, da nur ein sehr kleiner Ausschnitt des gesamten Karzinoms angesehen werden kann. Eine eindeutige Diagnose kann dann anhand eines Exzisionspräparates (Lobektomie, Tumorresektion, Lungenresektion) erstellt werden.

6. Was bedeutet es, wenn mein Karzinom als „kleinzelliges Bronchialkarzinom (SCLC)“, „Hafer-Zell-Karzinom (Oat cell Carcinoma)“ oder als „undifferenziertes kleinzelliges Karzinom“ beschrieben wird?

Das „kleinzellige Bronchialkarzinom (SCLC)“ oder auch „Hafer-Zell-Karzinom (Oat cell Carcinoma)“ oder auch „undifferenziertes kleinzelliges Karzinom“ ist eine sehr aggressive Form von Lungenkrebs, die oft schon in andere Körperbereiche gestreut (metastasiert) hat, wenn sie diagnostiziert wird. Deshalb ist eine operative Entfernung dieses Karzinoms oft nicht möglich. Anfangs ist es jedoch ist sehr empfindlich einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung (Radiatio) gegenüber. Die Chemotherapie für das kleinzellige Bronchialkarzinom ist eine andere als die Chemotherapie für die anderen (nicht-kleinzelligen) Lungenkrebsformen. Nach einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren werden häufige Rezidive (Wiederauftreten des Karzinoms) beobachtet.

7. Was bedeutet es, wenn mein Karzinom als „großzelliges Bronchialkarzinom“ oder „undifferenziertes großzelliges Bronchialkarzinom“ bezeichnet wird?

In einigen Fällen ist das Karzinom weder ein Plattenepithelkarzinom, noch ein Adenokarzinom, noch ein kleinzelliges Bronchialkarzinom und auch keines der sehr seltenen Formen des Lungenkrebses. Diese Karzinome werden „Großzellige Bronchialkarzinome“ genannt. Die Prognose ist besser als bei kleinzelligen Karzinom und sie werden häufig wie Adenokarzinome therapiert.

8. Was bedeutet es, wenn mein Lungenkrebs  „Mesotheliom“ heißt?

Das Mesotheliom ist eine Krebsform, die von der äußeren Ummantelung der Lunge (Pleura) ausgeht. Sehr häufig stehen sie mit Asbest in Zusammenhang. Im Allgemeinen haben diese Tumoren eine schlechtere Prognose. Mesotheliome können verschiedene Wachstumsmuster unter dem Mikroskop zeigen, wie etwa „epithelial“, „spindelförmige/spindelzellige“ Anteile oder „gemischte epitheliale und spindelzellige“ Anteile. Das mikroskopische Erscheinungsbild hat keinen bedeutenden Einfluss auf die Prognose, allerdings unterscheiden sich die Chemotherapien zwischen den einzelnen Typen.

9. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht „Lungemetastase“ steht?

Karzinome von anderen Organe können in die Lunge streuen (metastasieren) (z.B. Darmkrebs, Brustkrebs). Auch wenn sie in der Lunge wachsen, haben sie nicht ihren Ursprung dort. So sind die Metastasen eines Adenokarzinoms zum Beispiel des Kolons (Dickdarms) nicht gleich denen eines Adenokarzinoms der Lunge (siehe auch Frage 4). Ein metastasiertes Karzinom hat eine schlechtere Prognose.

10. Was bedeutet es, wenn mein Karzinom „gut differenziert“, „mäßig differenziert“ oder „schlecht differenziert“ ist?

Diese Bezeichnungen sagen etwas über die Aggressivität des Karzinoms aus. Sie werden durch den Pathologen anhand von mikroskopischen Kriterien bestimmt. Gut differenzierte Karzinome wachsen langsamer und besitzen eine etwas bessere Prognose. Schlecht differenzierte Karzinome wachsen aggressiv und haben eine schlechtere Prognose. Mäßig differenzierte Karzinome  haben eine mittlere Prognose.

11. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht von einem „typischen Karzinoid“ oder einem „atypischen Karzinoid“ gesprochen wird?

Typische Karzinoid werden als geringgradige (träge wachsende) Tumoren der Lunge betrachtet. Die Prognose ist ausgezeichnet. Atypische Karzinoid zeigen bestimmte mikroskopische Merkmale, die auf ein aggressives Wachstum hindeuten. Einige dieser Merkmale können im Bericht erwähnt werden: „Mitosen“ (Anzeichen, wie schnell ein Tumor wächst) oder „Nekrosen“ (Bereiche mit abgestorbenen Tumorzellen).

12. Was bedeuten „vaskuläre“, „Lymphgefäß“, „lymphovaskuläre“ oder „angiolymphatische“ Invasion? Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht D2-40 (Podoplanin) oder CD34 steht?

Karzinomzellen können in kleine Gefäße einbrechen. Wird dieser Zustand unter dem Mikroskop gesehen, wird er als vaskuläre, Lymphgefäß-, lymphovaskuläre oder angiolymphatische Invasion bezeichnet. Das Vorhandensein von Karzinomzellen in kleinen Gefäßen wird mit einem erhöhten Metastasierungsrisikos in Verbindung gebracht, auch wenn dies nicht immer passiert. Die ersten Lymphknoten, die beim Lungenkrebs befallen werden, sind die umliegende Lymphknoten innerhalb des Brustkorbes (peribronchial, hilär, subkarinal/bifurkal oder mediastinal).
D2-40 und CD34 sind spezielle Tests, die dem Pathologen helfen festzustellen ob eine Gefäßinvasion besteht. Diese Tests sind nicht in jedem Fall notwendig. Wenn Ihr Bericht keine Hinweise zu einer Gefäßinvasion angibt, dann wurde keine gesehen. Wenn Gefäßinvasionen vorhanden sind, könnte das Karzinom noch kuriert werden, dies ist jedoch  abhängig von vielen anderen Faktoren. In wieweit dieser Befund Ihre weitere Behandlung beeinflusst, besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

13. Was hat die Größenangabe des Karzinoms zu bedeuten?

Der Pathologe gibt normalerweise den größten Durchmesser des Karzinoms unter dem Mikroskop an oder, wenn es möglich ist, bei makroskopischer (mit dem bloßen Auge) Betrachtung. Es wird nicht bei allen Karzinomen aus Biopsien eine Größenangabe gemacht, weil keine korrekte Größenangabe des Karzinoms möglich ist, denn es kann nur eine kleiner Teil des gesamten Karzinoms beurteilt werden. Die präzise Messung wird bei dem nachfolgenden chirurgischen Exzisionspräparat (Lobektomie, Resektion) vorgenommen. Im Allgemeinen ist die Prognose schlechter, je größer das Karzinom ist.

14. Welche Bedeutung hat das Stadium meines Karzinoms?

Das Stadium ist ein Messwert sowohl für das Ausmaß des Karzinoms innerhalb der Lunge, als auch für die Streuung außerhalb. Normalerweise wird für eine Biopsie kein Stadium bestimmt, weil der Pathologe keine Aussage über das gesamte Ausmaß treffen kann. Gewöhnlich wird das Stadium mit den Buchstaben „T“, „N“ und „M“ angegeben. Das T steht für den Tumor (Karzinom) selbst, das N steht für die Lymphknoten (lymph nodes) und das M steht für Metastasen. Ein „p“ vor den Buchstaben T, N, M (Bsp.: pT) zeigt an, dass die Angabe durch die pathologische Befundung (den Pathologen) bestimmt wurde (im Gegensatz zur Stadienbestimmung durch den behandelnden Arzt oder die Computertomografie, bei der ein „c“ vorangestellt wird). Bei einem Lobektomiepräparat wird bei der Stadienbestimmung die Karzinomausdehnung berücksichtigt, welche durch ein „pT“ gefolgt von einer Ziffer angegeben wird. Je größer die Ziffer, desto größer die Karzinomausdehnung und damit desto schlechter die Prognose.
Die Ziffer nach dem pN  gibt das Ausmaß der Lymphknoteninfiltration und auch Angaben über die während der Operation entfernten Lymphknoten an.
Wird ein pMx angegeben, bedeutet es, dass der Pathologe nicht genau entscheiden kann ob das Karzinom in andere Organe (Leber, Knochen, Hirn) gestreut hat. Meist wird dies durch bildgebende Diagnostik (Röntgen, CT) bestimmt. Weiterhin gibt es Stadienangaben, die nicht nur die Angabe des Pathologen berücksichtigen. Dabei werden die Informationen des TNM-Stadiums in vier Hauptstadien zusammengefasst (Stadium I bis IV). Diese Stadien korrelieren mit dem Ausmaß des Karzinoms und der Prognose.
Ausführliche Informationen finden Sie auf den Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft http://www.krebsgesellschaft.de/ und der Deutschen Krebshilfe http://www.krebshilfe.de/.
In wieweit das Stadium Ihres Karzinoms die weitere Behandlung bestimmt, besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

15. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht „p63“, „Cyotkeratin5/6 (CK 5/6)“ oder „TTF-1“ aufgeführt wird?

Dies sind spezielle Untersuchungen, die dem Pathologen helfen eine Unterscheidung zwischen einem Plattenepithelkarzinom und einem Adenokarzinom der Lunge zu treffen. Wenn diese Untersuchungen in Ihrem Bericht nicht aufgeführt sind, waren Sie für die Unterscheidung nicht notwendig.

16. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht „Cytokeratin 7 (CK7)“, „CK20“, „CDX2“, „Gross cystic duct fluid protein (GCDFP)“, „Mammaglobin“, „Östrogen-Rezeptor (ER)“, „Progesteron-Rezeptor (PR)“, zusammen mit „TTF-1“ oder „PE-10“ aufgeführt werden?

Dies sind spezielle Untersuchungen, die dem Pathologen helfen zwischen einem Karzinom der Lunge und einer Lungenmetastase aus einem anderen Organ zu unterscheiden. Wenn diese Untersuchungen in Ihrem Bericht nicht aufgeführt sind, waren Sie für die Unterscheidung nicht notwendig.

17. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht „CD56“, „Chromogranin“ oder „Synaptophysin“ aufgeführt wird?

Dies sind spezielle Untersuchungen, die dem Pathologen helfen ein kleinzelliges Bronchialkarzinom zu erkennen. Diese Untersuchung können ebenfalls genutzt werden um ein Karzinoid oder ein atypisches Karzinoid zu unterscheiden. Wenn diese Untersuchungen in Ihrem Bericht nicht aufgeführt sind, waren Sie für die Unterscheidung nicht notwendig.

18. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht „Meosthelin“, „D2-40 (Podoplanin)“, „Calretinin“, „CEA“, „Cytokeratin (CK) 5/6“, „HBME-1“, „Ber-EP4“, „TTF-1“, „CD-15 (LeuM1)“ oder  „WT-1“ aufgeführt wird?

Diese speziellen Untersuchungen helfen dem Pathologen zu unterscheiden, ob ein Lungenkarzinom ein Mesotheliom (siehe Frage 8) oder ein Adenokarzinom ist. Wenn diese Untersuchungen in Ihrem Bericht nicht aufgeführt sind, waren Sie für die Unterscheidung nicht notwendig.

19. Was bedeutet es, wenn zusätzlich zu meiner Diagnose die Angabe „atypische adenomatöse Hyperplasie“ oder „plattenepitheliale Dysplasie“ oder „In-situ Plattenepithelkarzinom“ gemacht wird?

All diese Formen sind Präkanzerosen (Krebs-Vorstufen), die vom Pathologen unter dem Mikroskop gesehen werden können. Sie sind unwichtig, wenn sie in einer Biopsie gesehen werden, in der ebenfalls ein invasives Karzinom besteht. Werden sie in einem Exzisionspräparat gesehen, ist es wichtig, wenn sie im Randbereich auftauchen (siehe auch Frage 21).

20. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht „EGFR“ oder „K-ras“ aufgeführt wird?

Dieser molekularpathologische Test dient zur Feststellung, ob bestimmte Chemotherapien ansprechen. In wieweit das Ergebnis Ihre Therapieplanung beeinflusst, besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

21. Was hat es zu bedeuten, wenn in meinem Bericht Ränder oder Farbe/Tinte aufgeführt werden?

Wenn eine Exzision (Lobektomie, Resektion) vorgenommen wurde, werden die Ränder der Probe vom Pathologen mit (gelegentlich mit verschieden farbiger) Tinte markiert. Wenn das Karzinom bis in den markierten Rand reicht, heißt das, dass es nicht unbedingt vollständig entfernt wurde. Während der OP kann der Chirurg evtl. noch weiteres Gewebe entfernen. Das weitere Vorgehen beim „invasiven Karzinom“, „In-situ Karzinom (Präkanzerose)“, „plattenepithelialer  Dysplasie (Präkanzerose)“ oder einer „atypischen adenomatösen Hyperplasie“ besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

22. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht folgende Bezeichnungen aufgeführt werden: „narbig“, „emphysematös“, „emphysematöse Veränderung“ oder „Entzündung“?

All diese Bezeichnungen stehen für verschiedene nicht-kanzeröse Veränderungen, die vom Pathologen mikroskopisch gesehen werden und sind normalerweise ohne Bedeutung, wenn sie in einer Biopsie oder einem Präparat auftauchen indem zugleich ein invasives Karzinom besteht.

23. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht „Granulome“, Grocott’s Methenamine Silver (GMS)“, „säurefeste Stäbchen“ oder „ Perjodsäure-Schiff’sche Lösung (PAS)“ aufgeführt wird?

Granulome sind Strukturen, die man unter dem Mikroskop erkennen kann und die meist ein Zeichen für eine bestehende Infektion sind. Manchmal können infektiöse Organismen mit speziellen Methoden unter dem Mikroskop sichtbar gemacht werden. (z.B.: GMS, Färbungen für säurefeste Stäbchen oder PAS). Während die meisten Granulome infektiös bedingt sind, können andere Ursachen Sarkoidose, allergische Reaktionen und Staubinhalationskrankheiten (Pneumokoniosen) sei

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