Ösophaguskarzinom (mit oder ohne Barrett-Ösophagus)

Wenn Ihr Arzt Ihre Speiseröhre mit einem Endoskop untersucht, nimmt er einige Proben von der Schleimhaut ihrer Speiseröhre (Ösophagus). Diese Proben (Biopsien) werden von einem speziell ausgebildeten Arzt mit langjähriger Erfahrung – dem Pathologen – unter dem Mikroskop untersucht. Der Pathologe erstellt zu den mikroskopischen Befunden einen Bericht – den pathologischen Bericht.
Ihr behandelnder Arzt verwendet den pathologischen Bericht um die Entscheidung über die weiteren therapeutischen Maßnahmen zu fällen.

1. Was bedeutet „Adenokarzinom“ oder „Plattenepithelkarzinom“?

Adenokarzinom und Plattenepithelkarzinom sind Karzinome (Krebsformen) der Speiseröhre (Ösophagus), sie wurden nach den Zellen benannt aus denen sie ursprünglich hervorgehen. Ein Adenokarzinom kann aus einem Barrett-Ösophagus hervorgehen, ein Plattenepithelkarzinom geht aus der normalen Schleimhaut der Speisröhre hervor.

2. Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht zusätzlich zum Karzinom „Barrett“, „Becherzellen“, „intestinale Metaplasie“ oder „Plattenepithel“ steht?

Die innerste Schicht der Speiseröhre ist die Schleimhaut (Mukosa). Im Ösophagus besteht die Schleimhaut aus Plattenepithel (plattenepitheliale Mukosa), Plattenepithel kleidet auch den Rachenraum aus. Hingegen gehören Becherzellen zur Schleimhaut des Darms. Wenn Becherzellen in der Schleimhaut der Speiseröhre zu sehen sind, wird dies „intestinale Metaplasie“ genannt. Ein Barrett-Ösophagus bedeutet eine Umwandlung der plattenepithelialen Schleimhaut der Speiseröhre in eine Schleimhaut mit intestinalen Anteilen (Becherzellen).

3.  Welche Bedeutung hat ein Barrett-Ösophagus, wenn bereits ein Karzinom besteht?

Der Barrett-Ösophagus hat bei einem bestehenden Karzinom (egal ob Plattenepithel oder Adeno) keine Bedeutung für die Diagnose, die Therapie oder die Prognose.

4. Was bedeutet „invasiv“ oder „infiltrativ“?

Invasiv oder infiltrativ bedeutet, dass die Karzinomzellen (Krebszellen) aus ihrer Ursprungstruktur (hier Schleimhaut) ausbrechen und in umliegendes Gewebe einwachsen (dieses infiltrieren). Ein invasives Karzinom hat die Möglichkeit in andere Körperregionen zu streuen (metastasieren).

5. Bedeutet dies, dass das Karzinom tief in das Gewebe eingewachsen ist und eine schlechte Prognose hat?

Anhand einer Biopsie kann der Pathologie das genaue Ausmaß eines Karzinoms nicht bestimmten, auch kann er nicht genau sagen wie tief  das Karzinom gewachsen ist.
Deshalb kann eine aussagekräftige  Prognose anhand einer Biopsie nicht gestellt werden. Das Ausmaß kann bestimmt werden, wenn das Karzinom entfernt und untersucht wurde. Für die Prognose werden der pathologische Bericht und weitere Faktoren herangezogen.

6. Was bedeutet die „Differenzierung“ des Karzinoms?

Die Differenzierung gibt an, wie sehr ein Karzinom dem Aussehen der Grundstruktur ähnelt oder wie weit es davon abweicht. Die Differenzierung wird in 3 Grade eingeteilt (gut, mäßig, schlecht). Gut differenzierte Karzinome sehen der Grundstruktur ziemlich ähnlich, wachsen langsam und wenig aggressiv. Hingegen haben schlecht differenzierte Karzinome nur sehr wenig oder keine Ähnlichkeit mit ihrem Ursprungsgewebe mehr, sie wachsen aggressiver. Mäßig differenzierte Karzinome sind die Zwischenstufe.

7. Was bedeuten „vaskuläre“, „Lymphgefäß“, „lymphovaskuläre“ oder „angiolymphatische“ Invasion?

Karzinomzellen können in kleine Gefäße einbrechen, wird dieser Zustand unter dem Mikroskop gesehen, wird er als vaskuläre, Lymphgefäß-, lymphovaskuläre oder angiolymphatische Invasion bezeichnet. Das Vorhandensein von Karzinomzellen in kleinen Gefäßen wird mit einem erhöhten Metastasierungsrisikos in Verbindung gebracht, auch wenn dies nicht immer passiert.
Wenn Ihr Bericht keine Hinweise zu einer Gefäßinvasion angibt, dann  wurde keine gesehen. Wenn eine Gefäßinvasion vorhanden ist, könnte das Karzinom noch kuriert werden. Der Verlauf und die Therapie sind jedoch von weiteren Faktoren abhängig.
In wieweit dieser Befund Ihre weitere Behandlung beeinflusst besprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

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