Prostata Krebs

Die bei der Biopsie entnommenen Proben Ihrer Prostata werden von einem Facharzt mit langjähriger  Berufserfahrung - dem Pathologen – mikroskopisch untersucht. Ihr behandelnder Arzt verwendet den pathologischen Bericht um die Entscheidung über die weiteren therapeutischen Maßnahmen zu fällen. Diese Fragenübersicht wurde entwickelt um es leichter zu machen Ihren pathologischen Bericht zu verstehen.

1.) Was ist ein „Adenokarzinom der Prostata“?

Das Adenokarzinom ist die häufigste Form des Prostatakrebs. Ein „Adenokarzinom der Prostata“ kann viele verschiedene Verhaltensformen zeigen: von sehr langsam wachsend mit einem geringen Risiko Schaden zu verursachen bis hin zu sehr aggressivem Verhalten

2.) Was ist ein „Stanzzylinder“?

Der Urologe entnimmt der Prostata an verschiedenen Stellen mit einer Hohlnadel dünne Gewebefäden. Jede dieser Proben wird als „Stanzzylinder“ bezeichnet. Die Anzahl der Stanzzylinder, die Krebs enthalten sowie die Menge an Krebs in den einzelnen Stanzzylindern hat Einfluss auf die Prognose für den Tumor.

3.) Was ist der „Gleason Grad“ oder „Gleason score“?

Der „Gleason score“ ist ein Maß dafür wie aggressiv ein Tumor wächst. Der Gleason score ergibt sich aus den Wachstumsmustern, die der Pathologe unter dem Mikroskop sieht.

4.) Was bedeuten die Nummern im Gleason score, z.B. 3+4=7 oder 3+3=6 ?

Beim Prostatakrebs können unter dem Mikroskop verschiedene Wachstumsmuster unterschieden werden. Jedem Muster wird eine Nummer zugeteilt.
Wenn sie Ihren persönlichen Gleason score betrachten, so ist die erste Nummer die des am häufigsten vorkommenden Musters und zweite Nummer die des am zweithäufigsten vorkommenden Musters. Ihre persönlichen Muster, die bei einer Biopsie entdeckt werden liegen normalerweise zwischen 3 und 5. Nummer 3 bezeichnet eine weniger aggressive und 5 eine aggressivere Tumorart. Diese beiden Nummern werden zusammengezählt und ergeben Ihren Gleason score oder Gleason Grad, der typischerweise zwischen 6 und 10 liegt.

Bsp.: Ein Tumor mit dem Gleason score 3+4=7 besteht zum größten Teil aus Muster 3 und zu einem kleineren Teil aus Muster 4, die Summer ergibt den Gleason score von 7. Ein Tumor  mit dem Gleason score von 3+3=6 besteht nur aus Muster 3, der Gleason score ist dann 6.
Andere Schreibweisen des Gleason scores im Pathologiebericht können sein: „Gleason 6/10“ oder „Gleason 6(3+3)“ oder „kombinierter Gleason Grad von 6“.

5.) Was bedeutet es, einen Gleason score von 6 oder 7 oder 8-10 zu haben?

Bei den Tumoren einer Prostatabiopsie ist der niedrigste Gleason score (am wenigsten aggressiv) meist 6, aufsteigend bis hin zu einem Gleason score von 10 (am aggressivsten). Die Aggressivität erhöht sich dabei stufenweise.

6.) Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht verschiedene Stanzzylinder mit verschiedenen Gleason scores aufgelistet sind?

Die Verschiedenen Stanzzylinder sind entweder an verschiedenen Stellen desgleichen Prostatatumors entnommen worden oder an unterschiedlichen Prostatatumoren. Da der Grad innerhalb eines Tumors und zwischen verschiedenen Tumoren variieren kann, haben die einzelnen Proben, die Ihrer Prostata entnommen wurden evt. verschiedene Gleason scores. Normalerweise wird der höchste Gleason score (größte Nummer) von Ihrem Arzt als Anhaltspunkt für die Prognose und die weitere Therapie verwendet werden.

7.) Gibt der Gleason score der Biopsie/ Punktion eine exakte Auskunft darüber wie der Grad des Krebses in der gesamten Prostata ist?

Der Gleason score einer Biopsie/ Punktion erfasst oft den richtigen Grad des Krebses in der Prostata. Trotzdem ist in ca. 20% der Fälle der Grad bei der Biopsie niedriger als der echte Grad, weil bei der Biopsie die Proben nur aus einem Teil der gesamten Prostata genommen werden.
In einigen Fällen kann auch der Grad der Biopsie die Aggressivität des Tumors überschätzen, dann ist der echte Grad des Tumors niedriger als der, der bei der Biopsie festgestellt wurde.

8.) Wie bedeutsam ist der Gleason score?

Der Gleason score ist einer der aussagekräftigsten Angaben für das Verhalten von Prostatakrebs. Er muss aber mit anderen Faktoren wie dem PSA-Wert, Befunde über Rektaluntersuchungen, Anzahl der vom Krebs betroffenen Stanzzylinder und in einigen Fällen radiologischen Untersuchungen in Zusammenhang gesetzt werden, um abschätzen zu können, wie der Tumor sich entwickeln wird.

9.) Was bedeutet es wenn mein Biopsiebericht besondere Untersuchungen wie hochmolekulare Zytokeratine (HMWCK, high molecular weight cytokeratin), CK903, CK5/6, p63,AMACR (racemase), 34BE12, oder PIN4 cocktail enthält?

Dies sind spezifische Untersuchungen mit dessen Hilfe der Pathologe den Prostatakrebs identifizieren kann. Diese Zusatzuntersuchungen sind nicht in allen Fällen nötig. Ob diese Untersuchungen in Ihrem Bericht vorkommen oder nicht, hat keinen Einfluss auf die Genauigkeit Ihrer Diagnose.

10.) Was bedeutet es wenn mein Biopsiebericht von einer „perineuralen Invasion“ spricht?

„Perineurale Invasion“ in einem Biopsiebericht bedeute, dass der Krebs in die Hüllstrukturen von umliegenden Nerven hineinwächst, dies kann bedeuten dass er in andere Körperbereiche gestreut (metastasiert) hat, dies muss er aber nicht unbedingt.
Zusätzlich sollten der Gleason Grad und das Ausmaß des Krebses in den Stanzzylindern betrachtet werden.

Bei einer perineurale Invasion bestehen noch immer Heilungschancen. In einigen Fällen wird dies Ihre Behandlung beeinflussen, in anderen Fällen ist es nicht von Bedeutung. Wie dieser Befund Ihre spezifische Behandlung beeinflusst besprechen Sie am Besten mit Ihrem behandelnden Arzt.

11.) Was bedeutet es wenn in meinem Biopsiebericht außer den Informationen zum Krebs zusätzlich „hochgradige prostatische intraepitheliale Neoplasie“ oder „hochgradige PIN“ steht?

„Hochgradige prostatische intraepitheliale Neoplasie“ auch bezeichnet als „hochgradige PIN“ ist eine Vorstufe vom Prostatakrebs  und ist nicht von Bedeutung wenn bereits Krebs in einem Stanzzylinder gefunden wurde. Die Bezeichnung ‚hochgradig’, sofern sie sich auf eine „prostatische intraepitheliale Neoplasie“ bezieht, hat nichts mit dem Gleason System zu tun, weist also nicht auf eine aggressivere Tumorart hin.

12.) Was bedeutetet es wenn in meinem Biopsiebericht zusätzlich zum Krebs die Rede von einer „akuten Entzündung“ (akute Prostatitis) oder einer „chronischen Entzündung“ (chronische Prostatitis) ist?

In einigen Fällen kann eine Entzündung zur Erhöhung des PSA-Wertes beitragen. Aber in den meisten Fällen ist es nicht von Bedeutung und hat nichts mit Prostatakrebs zu tun.

13.) Was bedeutet es, wenn in meinem Bericht zusätzlich „Atrophie“ „Adenose“, „atypische adenomatöse Hyperplasie“ oder „Samenblase“ steht?

All diese Bezeichnungen stehen für Erscheinungen, die der Pathologe unter dem Mikroskop sehen kann und die in einigen Fällen der Erscheinungsform von Krebs ähneln können. Sie sind nicht von Bedeutung wenn sie bei einer Biopsie entdeckt werden und haben nichts mit Prostatakrebs zu tun.

14.) .) Was bedeutet es, wenn in meinem Bricht steht, dass die Befunde „atypisch“ oder “suspekt für Krebs” sind oder „atypische kleine azinäre Proliferation“ „atypische mikro-azinäre Proliferation“ oder “glanduläre Atypie” oder “atypische glanduläre Atypie” vorkommen?

Alle diese Bezeichnungen stehen für ähnliche Veränderungen des Gewebes, die der Pathologe unter dem Mikroskop erkennen kann. Diese Veränderungen des Gewebes könnten Krebs sein.

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