Bitte nur "schneiden und färben"

auf den diesjährigen Morphologie- und Histologie Tagen 2011 in Kassel zeigte sich, dass der medizinische Fortschritt eine immer schneller werdende Entwicklungsdynamik besitzt.

Histologie heute ist mehr als nur "schneiden und färben", sondern vielmehr ein breitgefächertes Aufgabenspektrum mit vielfältigen Nachweismethoden. Es entwickeln sich immer mehr Spezialgebiete mit ihren spezifischen Besonderheiten. Hier gilt es die erreichte Qualität zu sichern und zu optimieren.

Um den Spagat zwischen optimaler Patientenversorgung und Ressourcenknappheit zu bewältigen, steht auf den TODO-Listen einer Pathologie der kontinuierliche Prozeß aus berufsbegleitendem Lernen ganz oben.



Die zahlreich angebotenen Seminare auf den Morphologie- und Histologie-Tagen wie z.B. die Mikroskopierkurse, Symposien und Workshops waren sehr gut besucht.
"Labororganisation und Arbeitsschutz" (Ref. Dip. Ing. Ralph Hupka) wurde betont, dass die Einweisung der Mitarbeiter ein zentraler Bestandteil des Arbeitsschutzes ist.

Es gibt viele allgemeine Verordnungen, die den Umgang z.B. mit Gefahrstoffen und Biostoffen regeln. Die Arbeitsschutzanforderungen sollten individuell an die Gefährdung der jeweiligen Pathologie angepasst werden. Es gilt hier zu analysieren, wo mögliche Gefahren liegen und welche organisatorischen, technischen und personellen Maßnahmen sinnvoll sind.

Neue Gefahrstoffverordnung:
Pathologische Institute füllen als Serviceleistung für ihre Einsender eine 4%ige Formalinlösung in Probengefäße ab. Hier gibt der Pathologe sog. "Gemische"an Dritte ab. Die Pathologie muss seinen Einsendern die neuen Sicherheitsdatenblätter "Zug um Zug" zur Verfügung stellen.

Die Umsetzung der neuen Gefahrstoffverordnung erfolgt für "Stoffe" sofort und für "Gemische" bis Juni 2015.


Zertifizierung: Was wird für die Pathologie gefordert?

Hier bringt es PD Dr.med. Matthias Sperling aus Braunschweig auf den Punkt: >>Zertifizierung ist:"Sage was zu tun ist, tue was gesagt ist und zeige, dass es getan wird!"<<

Eine Zertifizierung nach einem Qualitätsmanagementsystem (z.B. nach DIN EN ISO 9001) bedeutet, dass alle Arbeitsabläufe einer Pathologie für einen Dritten in nachvollziehbarer Form schriftlich festgehalten werden müssen.

In einem Qualitätsmanagement-Handbuch werden z.B. nicht nur Verfahrensbeschreibungen, Arbeitsplatzbeschreibungen und die Lenkung von Dokumenten und Aufzeichnungen (z.B. die Befundhistorie) festgehalten. Auch Befugnisse müssen für jeden Arbeitsschritt eines diagnostischen Verfahrens klar geregelt werden. >> Die Pathologie muss schlichtweg "Farbe bekennen".<<

Neben der Zertifizierung gibt es in Deutschland die sog. Akkreditierung.

In Deutschland sind derzeit ca. 20% aller pathologischen Institute akkreditiert. Die Deutsche Akkreditierungsstelle DAkks hat auf ihrer Homepage einen Leitfaden zur Interpretation der Anforderungen an Pathologische- und Neuropathologische Institute zusammengestellt.

Diesen Leitfaden können Sie hier einsehen

Zertifizierung nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft, wie funktioniert das? (Ref. Sebastian Dieng, Neu-Ulm)

Ziel der Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft ist es, die Behandlung eines krebserkrankten Patienten in allen Phasen deutlich zu verbessern.
Für den Patienten ergibt sich aus der Zertifizierung die Sicherheit, in allen Bereichen seiner Behandlung überdurchschnittlich gut versorgt zu werden.

Im Jahr 2003 entwickelten sich in Deutschland die ersten Brustkrebszentren. 264 Kliniken sind in Deutschland mit einem Brustkrebszentrum zertifiziert, diese decken zusammen 88,8% aller Brustkrebsfälle ab.

Heute haben sich eine Vielzahl von Organzentren gebildet, die durch intensive interdisziplinäre Zusammenarbeit eine deutliche Optimierung in der Diagnostik und Therapie betroffener Patienten erreicht haben.
Für pathologische Institute, die sich verschiedenen Organzentren als sog. "Querschnittsdisziplin" anschließen, ergab sich in der Vergangenheit die Problematik mehrfacher "Begehungen" im Jahr.

Für die Pathologie gibt es folgende Lösungsansätze:

1. Bereits durch die DAkks abgenommene pathologiespezifische Erhebungen werden durch die DKG anerkannt und nicht mehr doppelt geprüft.
2. Die DKG wird neue Erhebungsbögen für die Pathologie zur Verfügung stellen. Es wird eine allgemeine institutsbezogene- und eine spezifische organbezogene Erhebung durchgeführt.
3. Auch wenn eine Patholgie mit mehreren Organzentren zusammenarbeitet, soll durch Zusammenlegung der Audits je Organbereich eine Bündelung stattfinden.

Informationen zu dem Ablauf einer Zertifizierung erhalten Sie hier:

In den Pausen der -von fast 50 verschiedenen Referenten-
angebotenenen Vorträgen und Workshops, haben die Teil-
nehmer die Gelegenheit genutzt, sich in der Industrieausstellung der über 40 Austeller über Produktneuheiten zu informieren. 


Und weil die Entwicklung nicht still steht...
 
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